Oh man, bitte nicht noch so ein überflüssiger Privatblog. Das interessiert doch keine Sau…

Aber es ist doch nicht so, als ob ich nix zu erzählen hätte.

Interesiiieert aber keinen! Und das denken übrigens ALLE von sich.

Aber, aber, es gibt so interessante private Blogs. So interessante Menschen.

Interessante Menschen? Du? Du weißt doch nicht mal wer du selber bist!

Naja….

Du hast vor allem möglichen Schiss!

Schon oft, aber…

Und du bist fett!

Ja das stimmt. Aber…

Und du willst doch nicht so eine peinliche Selbstdarstellerin sein.

Doch! Doch das will ich. Also, natürlich will ich nicht unbedingt peinlich sein. Darum werde ich z.B. keine Anleitungen schreiben, wie man Kondome aus Kaugummi bastelt…

Früher hat mein innerer Kritiker, so nenne ich diese Instanz, die im Kopf pausenlos alles bewertet was ich tue, tatsächlich so mit mir geredet. Der Arsch! Heute versuche ich weniger hart mit mir zu sein und oft gelingt mir das tatsächlich. So einen barschen inneren Dialog führe ich inzwischen tatsächlich nur noch extrem selten. Dennoch sind so manche alten Überzeugungen in ihrem Kern noch da und der innere Kritiker steht gelegentlich noch immer dumm im Weg rum.

Aber ich will auch nicht länger auf ihn hören. Der ist nämlich wirklich ein Arsch. Oft. Wahrscheinlich meint er es eigentlich nur gut mit mir 😉 Ungefähr genauso gut wie die Kollegin, die einem, nachdem sie vom Vorsatz abzunehmen erfahren hat, täglich selbstgebackene Kekse mit extra Butter mitbringt.

Natürlich ist dieser Blog zum Teil Selbstdarstellung. So wie die Seite auf der ich meine Bilder zeige im Grunde auch. Und das ist irgendwo auch notwendig. Ohne Selbstdarstellung könnte kein Künstler sich vermarkten, egal ob Musiker, Autor, Maler. Soziale Medien gäbe es gar nicht, weil kein Markt dafür bestünde. Auch die Modeindustrie wäre um einiges eintöniger. Kurzum, unsere Welt wäre ein ganzes Stück uninteressanter, wenn niemand mehr den Drang hätte sich zu zeigen.

„Seeeelbstdaarstellung“ (bitte gruseliges Gespenster-heulen dazu vorstellen)…

Es gibt übrigens echt gute, interessante private Blogs. So wie es eben auch total interessante Menschen gibt und interessante Geschichten hinter diesen Menschen.

Mir ist selbst ein wenig unklar woher die Verknüpfung in mir stammt, dass es zwangsweise egozentrisch wäre sich (medial) selbst zu zeigen. Bei anderen Menschen empfinde ich das nicht so, sondern im Gegenteil ist der intime Einblick mitunter sehr interessant, gelegentlich sogar lehrreich.

Die Welt braucht sicher nicht unbedingt noch einen privaten Blog. Aber ich. Vielleicht wird kein Mensch das hier lesen. Das ist auch in Ordnung. Schreiben möchte ich es dennoch, mich zeigen nachdem ich mich solange immer gehemmt fühlte dabei mich zu zeigen und wer weiß schon…?Und tatsächlich bin ich überzeugt davon, dass ich Dinge zu erzählen habe, die möglicherweise hilfreich, wenigstens aber unterhaltsam sein können.

Worum wird es hier also gehen?

Um das wunderbar unperfekte Menschsein. Um (nicht immer logische) Gefühle und ganz rationale Erkenntnisse. Um die Widersprüchlichkeit des Lebens und die Suche nach Gelassenheit.

Um das Überwinden von Essstörungen, Ängsten, Depressionen oder das lernen damit zu leben.

Den Spagat Selbstakzeptanz zu erlangen in einer Gesellschaft im Selbstoptimierungswahn. Aber auch um falsch verstandene Akzeptanz.

Um die Erleichterungen, Schwierigkeiten, gesellschaftlichen Widerstände wenn man sich selbst halbieren will (und gesundheitlich muss). Um den ominösen Klick im Kopf den es dafür braucht.

Und um vieles mehr, was noch wachsen muss…